Tag Zwei
"Tamara und der Modder"

22.07.2003

7:30

(Steffi)
*gähn* Ich geh erst mal aufs Klo und bemerke auf dem Weg zurück ins Bett, dass die zwei anderen, die unten am Eingang geschlafen haben, auch schon wach sind. „Komm rein!!“ schallt es aus dem Zimmer. Obwohl ich mich ja eigentlich noch mal hinlegen wollte, halten mich die zwei einfach wach. *grummel* Das waren doch nur 6 Stunden Schlaf *gähn*.

Nicht nur ich habe heute Morgen um 6 Uhr das Gewitter draußen gehört, sondern auch Silvia ist wohl davon aufgewacht. (Tamara scheint ja zu schlafen wie ein Björn ;) (schwedisch für Bär)) Wollen wir hoffen, dass das Wetter wieder schön wird, schließlich hat keiner von uns ein Regencape mit.

Nach einiger Zeit raffen wir uns dann auf und machen Frühstückstee, ach neeee, Früchtetee.
Während wir uns den zu Gemüte führen, schreibt Tamara noch einen Einkaufszettel und Silvia kämpft um einen guten Radiosender.
Irgendwie hat ja doch niemand Hunger, also machen wir uns auf den Weg nach Färila zum Tanken und Einkaufen.

Bei Delins geben wir erst mal unsere halbe Urlaubskasse aus (über 60,-€) und sind damit für die nächste Woche mit Nahrungsmitteln versorgt.

 

unser erstes Frühstück in der Wildnis

"Ich find schon noch einen guten Sender!"

"Tschüss Geld, jetzt wird eingekauft!"

12:00

Auf dem Rückweg ist das Wetter auch wieder schön und der Himmel fast wolkenlos. Bei diesen rapiden Wetteränderungen überlegen wir uns schon jetzt, was wir heute noch so unternehmen können. Nebenbei nehmen wir noch ein Brunch ein und loben uns für die gute Auswahl an Lebensmitteln.
Unsere „Steaks“ (oder sind es doch Rouladen?), werden von mir nun meisterlich, mit allem was ich in der Küche finden kann, mariniert. „Hmmm, lecker!!“ kommt nur noch von Tamara, die einmal kosten muss.

 

"Guten Appetit!"

(Tamara)
13:10

Da wir uns dazu entschlossen haben, die Umgebung zu erkunden, und nebenbei eventuell mit dem Boot zu fahren, sammeln wir Umgebungskarten, Proviant und morgens erworbenes OFF (Mückenspray) ein und stopfen es in meinen Rucksack.
Unter der fähigen Leitung von Steffi, die sich die Karte schnappt, findet auch Silvia den richtigen Weg, die immer vorne weg läuft.
Nach ca. 5 Minuten auf der Hauptstrasse, auf der uns tatsächlich 2 Autos begegnet sind (es muss Rush Hour gewesen sein), biegen wir in den Wald ab.
Auch hier dauert es nicht lange und wir sehen ein, dass wir querfeldein laufen müssen, um zu dem markierten Ruderboot zu gelangen. Hier stellen wir fest, dass nicht nur in der Dämmerung die Mückenplage unterwegs ist, sondern auch hier im Sumpfgebiet. Silvia bewaffnet sich sofort mit dem Mückenspray und versteckt so unseren Duft vor den kleinen Plagegeistern *freu*.

Nun können wir ungestört das Boot betrachten und uns fällt auf, dass es in letzter Zeit viel geregnet hat („Ach ja, da war ja ein Gewitter!!“). Enttäuscht beschließen wir einen anderen See aufzusuchen.

Damit fing das Abenteuer erst richtig an.
Silvia kam auf die Idee, kurze Zeit nachdem wir wieder auf festem Wanderweg waren, roten Bändchen zu folgen, die wohl einen Wanderweg markieren (von Bernd?). Leider war der markierte Weg nicht mehr befestigt, sondern führte uns in die Wildnis.
Wir klettern über umgestürzte Bäume, stampfen durch Moos und gelangen an unser erstes Hindernis.

Ein Fluss.

Erinnerungen an eine Fahrt ins Phantasialand werden wach und ich sage direkt „Lasst uns Gras reinwerfen!!“. Silvia grinst und sucht einen sicheren Weg über den reißenden Strom.

Mit gemeinsamem Elan, gelangen wir alle drei sicher auf die andere Seite. *freu* Leider ist einer der Äste, der im Fluss lag und uns den Überweg sicherte, bei Steffi, sie war die letzte die rüber kam, zerbrochen und hat uns den trockenen Rückweg verwährt. *grübel*
„Hoffentlich müssen wir nicht wieder zurück, sondern finden irgendwas am anderen Ende des Bändchenwegs.“

Auf dem weiteren Weg führen uns die Markierungen von der baumlosen Lichtung in den Wald. Nach ganz kurzem Zögern ist Silvia schon darin verschwunden und Steffi und ich laufen hinterher, wir wollten ja die Wildnis erleben.
„Dort ist das nächste Bändchen!“ schallt es von vorne.
Aber irgendwie ist aus rot plötzlich rot/gelb gestreift geworden (Na egal). Die Umgebung wird immer unzugänglicher, aber unsere Leitwölfin Silvia findet ja immer irgendeinen Weg, also hinterher, was die kann, kann ich auch.
Dort ein Baum angehoben, damit die anderen drunter her kommen und hier einen Ast weghalten, oder sich vor zurückflitschenden Ästen geschützt.
Durch hohes Gras und kleine seichte Pfützchen kommen wir so langsam an einen Weg, der zu einer Lichtung führt. „Dort ist bestimmt das Ziel“ ruft Steffi erfreut.
Der Weg dorthin birgt jedoch ungeahnte Gefahren in sich. In den Fahrzeugspuren (bestimmt von den Baumfällfahrzeugen) hat sich so viel Wasser angesammelt, dass es recht sumpfig wird. Auf der Mitte geht es erst noch halbwegs. An einer Stelle kommt Silvia recht gut durch und meint, „Kommt, das geht schon, ist nur ein bisschen weich!“ Steffi schafft den Übergang auch noch recht gut (der rechte Fuß bleibt nur bis zum Knöchel im schwarzen Morast stecken).
„Geh einfach leicht und schnell drüber, also nicht fest auftreten oder einen festen Halt suchen!“ kommt der tolle Rat von Silvia an mich. Ich seh nur noch einen zermatschten Weg und meine verzweifelt: „Wenn ich den Weg nicht kenne, kann ich auch nicht schnell drüber laufen!“ „Dann lauf da wo noch keiner war!“ kommt als Antwort. Wie macht man das auf einem 30 cm breiten Streifen, über den vorher schon zwei Leute drüber gelaufen sind, wovon einer schon riesige Löcher hinterlassen hat.
Ich raffe also meinen ganzen Mut zusammen und „laufe“ los. Mein erster Schritt geht noch, doch beim zweiten sackt mein rechtes BEIN bis zum Knie in der zähflüssigen Brühe ein (und ich sinke noch weiter). Auch ein beherzter Griff von Silvia an meinen Arm, kann nicht verhindern, dass auch mein linkes Bein beim Übersetzen weit eintaucht. Ich hab sie noch ein bisschen mit reingezogen und kann gerade noch verhindern, dass mein Schuh im Morast zurückbleibt.

So, jetzt sind wir zwar auf der anderen Seite, finden jedoch keine Bändchen mehr. Also wieder zurück *mit Schrecken dran denk*.
Gut, bauen wir halt eine Brücke und sammeln Baumstämme!! um den Weg zu ebnen. Jeder von uns sucht sich einen Wanderstab, der ein wenig an „Der Herr der Ringe“ erinnert (mal abgesehen, von den kleinen Ästen (30cm) an der Seite), mit dem er sich noch ein wenig abstützen kann, beim Übergang über die „Brücke“.

Als wäre das nicht Abenteuer genug, finden wir auf dem Rückweg statt der erwarteten rot/gelben Bändchen eine Menge blau/gelber Bändchen und folgen denen erst einmal (blöd wie wir sind – Lemminge halt)
Nach fünf Minuten fällt uns dann auf, dass das alles ganz anders aussieht als eben. Mist, falscher Weg, jetzt müssen wir wieder zurück.
Fünf Minuten nach verzweifelten Gedanken des Verschwindens auf Nimmerwiedersehen in den schwedischen Wäldern, finden wir dann doch wieder unseren Weg *freu und erleichtert aufatmet*.
Auch der Fluss liegt wieder vor uns, aber da mir jetzt sowieso alles egal ist, laufe ich einfach durch. Jetzt ist meine Hose wenigstens etwas sauberer. Steffi kriegt einen nassen Fuß und Silvia hüpft einfach rüber, wie eben auch (das Glück der Dummen, wie Steffi sich auszudrücken pflegt).
Endlich wieder auf befestigtem Weg angekommen, trinken wir erst mal aus unserer Schweppesflasche und laufen schnell heim ;)
Nach gründlicher Reinigung setzten wir uns wieder zusammen und planen die nächsten Tage, bei einem guten Glas Wein (oder auch zwei oder drei) und schließen weitere Wanderungen durch solche Gefilde erst mal aus.

Na geht doch auch ohne Matschefüsse

 

...fertig zur Wanderung... los...

"Da geht's lang!"

Das Boot mit dem roten Punkt... vollgelaufen

Die Bändchen markieren den Weg

...rein in den Wald...

"Na toll, im Sumpf versunken und der Rückweg ist abgeschnitten"

Brückenbau über den Sumpfweg

"So, das müsste halten. Na dann kommt mal rüber!"

Nie mehr Moorwanderungen *seufz*

 

"Prost!"

Kurz darauf kam Bernds Bruder Peter, mit seiner Freundin Ramona und dem schuhklauenden Hund Sandor.
Peter „repariert“ uns den Wasserboiler, sodass wir nun auch hier im Haus warm duschen können. Leider müssen wir jetzt auf die Außentoilette ausweichen, was uns hoffentlich nicht noch ein paar Mückenstiche an unangenehmeren Teilen des Körpers beschert.

Wir kochen uns nun noch das Abendessen, trinken ein bisschen Tee mit Rum und warten auf den nächsten Tag…

 

Hier kann man sich auch gemeinsam erleichtern

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